19/09/2025
Weißt du noch? Früher hat es Ende Oktober doch immer Weltsparwochen gegeben.
Klara, unsere jüngere Tochter, war vielleicht sechs Jahre alt. Da ist meine Frau mit Klara und ihrem Sparschwein zur Bank gedackelt. Sparschwein geleert, Geld eingezahlt, Geschenk kassiert, Kind glücklich? Mitnichten!
Noch in der Bank hat Klara meine Frau gelöchert, was jetzt mit ihrem Geld passiert?
„Das leiht die Bank anderen Leuten, damit die zum Beispiel ein Haus bauen können.“
„Ich will auf keinen Fall, dass die Bank mein Geld jemand anderem leiht. Ich weiß ja nicht mal wem!“
Tagelang hat sie uns gelöchert, dass wir ihr Geld wieder holen sollen. Woher sie überhaupt wissen könne, dass ihre „hart von Verwandten erschenkte“ Kohle überhaupt noch da ist?
Jetzt, wo der Gag schon auf dem Präsentierteller liegt: Das Kind hatte schon damals eine phänomenale Menschenkenntnis 😂.
Tatsächlich hat meine Frau versucht, sie mit den Zinsen zu versöhnen. Keine Chance. Sie hat ihr die lückenlose Kontrolle der Kontoauszüge versprochen. „Da können die doch draufschreiben, was sie wollen!“
Jetzt erklär‘ mal einer Sechsjährigen, dass auch Cash keinen materiellen Wert hat. Dass Bargeld auch nur ein Zahlungsversprechen ist, auf das wir alle vertrauen.
Die Situation hat sich erst nach einer Woche beruhigt. Oma und Opa haben Klara geschworen, dass sie auch Geld zur Bank tragen. Renate hat die Durchsicht der Kontoauszüge „auf erstes Anfordern“ zugesichert.
Klara hat das ewig durchgezogen. Die Sechsjährige interessiert sich für ihre wirtschaftlichen Verhältnisse.
Es klingt hart, ist aber so: Das unterscheidet sie von manch gestandenem Unternehmer. Wir können oft nicht glauben, wie schlecht die Datenbasis in vielen Familienbetrieben ist.
Da sind super Firmen dabei. Mit tollen Geschäftsmodellen und Produkten. Die Entscheidungsgrundlagen: Eine Bilanz, die neun Monate nach Geschäftsjahresende erstellt wird. Der Kontoauszug. Zusammenhanglose Excel-Tabellen.
Das ist tragisch. Deine Zahlen nicht zu kennen, kostet dich als Unternehmer viel. Nicht nur Geld. Egal wie gut du in deinem Produkt bist: Ohne Zahlen überzeugst du keine Geldgeber. Du kannst gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten nur labern, nicht argumentieren. Die spüren das, glaub mir.
Kurz: Du büßt Ansehen, Vertrauen und Souveränität ein.
Wie ist das in deinem Betrieb? Schreib‘ mir. Es interessiert mich.
PS. Klara wird bald 22 und studiert, nach einer Lehre als Köchin, jetzt BWL. Passt gut zu ihr 😀.