23/09/2025
Selten ist eine Veränderung der US-Leitzinsen so wenig beachtet worden, wie die Zinssenkung in der vergangenen Woche. Selten waren die Auswirkungen an den Kapitalmärkten so gering. Aber noch nie ist sie so emotional diskutiert worden.
EMOTIONEN
Die Emotionalität kam – wie soll es anders sein – in Folge der Haltung des US-Präsident Donald Trump auf.
Viele Analysten verstiegen sich zur Behauptung, die US-Notenbank habe die Leitzinsen nur gesenkt, weil es so gefordert worden war.
Bei dieser Argumentation werden zwei Punkte ausgeblendet.
1️⃣ Zum einen fordert Donald Trump einen wirklich großen Zinsschritt. Das sind nicht die medial diskutierten 50 bis 75 Basispunkte. Trump denkt über 100 bis 300 Basispunkte nach. Sein ideales Zinsniveau liegt derzeit bei knapp unter 2% p. a. Wenn die US-Notenbank tatsächlich in diesem Jahr noch zwei Zinsschritte vornimmt, wäre man bei rund 3,5% p. a. und damit nahezu noch doppelt so hoch, wie sich dies der US-Präsident vorstellt.
2️⃣ Wenn man die Konjunkturdaten betrachtet, wäre tatsächlich ein größerer Zinsschritt denkbar gewesen. Insofern hat nach unserer Einschätzung die US-Notenbank eben weit weniger politisch agiert als dies zu erwarten war.
Dies zeigt auch die Reaktion Trumps, den personellen Umbau der Federal Reserve weiter vorantreiben zu wollen.
FAKTEN
Aus Anlegersicht ist aber wesentlicher, wie überschaubar die Effekte der Zinssenkung waren. Nun kann man argumentieren, dass unklar ist, wie die Märkte reagiert hätten, wäre die Zinssenkung ausgeblieben. Aber in unserem unabhängigen Schön & Co Research liefert die Währungskursentwicklung einen guten Indikator. Zwischenzeitlich ist der US-Dollar mit 1,19 auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Dies hat sich aber sehr schnell relativiert. Im Wochenvergleich hat die US-Währung minimal verloren, obwohl sich in der Theorie die Zinsdifferenz reduziert. Betrachtet man jedoch die Zinsdifferenz im Bereich von zehn Jahren, findet dort keine Bewegung statt. In den USA leicht sinkende Zinsen, die den US-Dollar schwächen müssten, werden auf der Währungsseite durch die Sorge um die Verschuldung Europas egalisiert.
Foto: .hufnagl